Der Kampanile von Jean Prouvé

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EINE ELEKTROAKUSTISCHE ANLAGE

Le Corbusier, der seine Architektur als Gesamtkunstwerk verstand, hatte auch Akustik und Musik nicht vergessen. Die Akustik ist so gut, daß man den Pfarrer ohne Lautsprecher verstehen kann.

Zu seiner modernen Kapelle wünscht er sich eine ebenso moderne Musik. Für die Einweihung möchte er Musik von Olivier Messiaen erklingen lassen, einem der berühmtesten französischen Komponisten seiner Zeit. Allerdings mußte die Einweihung ohne Messiaens Musik stattfinden: der Generator, den die Armee zur Verfügung gestellt hatte, funktionierte nicht.

Der erstaunlichste Vorschlag Le Corbusiers war wohl die «musikalische Installation», die er beim Eingang der Kapelle anbringen lassen wollte. Nach den Zeichnungen und Modellen zu schließen, wollte Le Corbusier einen Portikus bauen und mit dem damals modernsten Lautsprechersystem ausstatten lassen.

Le Corbusier hatte dieses System mit dem Komponisten Edgar Varèse geplant, mit dem er auch 1958 beim Philips-Pavillon auf der Brüsseler Weltausstellung zusammenarbeitete. In Ronchamp sollten Architektur, Bildhauerei, Malerei und Musik vereint werden. Der «elektroakustische Kampanile» war zu teuer un zu modern, er wurde nicht gebaut.

Auf Drängen des Kaplans Bolle-Reddat erklärt sich Le Corbusier im Sommer 1965 bereit, einen Kampanile zu entwerfen. Wenig später stirbt Le Corbusier. Zehn Jahre später läßt der Kaplan, Abbé Bolle-Reddat, einen Kampanile bauen, an der Stelle des alten Mesnerhauses. Dieses Haus, für das Le Corbusier schon einen Ersatz gebaut hatte, konnte der Kaplan nun endlich abreißen lassen.

DER ENTWURF VON JEAN PROUVÉ

Die Stahlkonstruktion des Kampanile wurde von Jean Prouvé entworfen. Sie steht 30 Meter von der Kapelle entfernt und sehr schlicht gehalten, um nicht in Konkurrenz mit der Kapelle zu treten.

Prouvés Entwurf weist einen subtilen Buzug zu Notre-Dame du Haut auf, die Proportionen richten sich nach Le Corbusiers Maßsystem Modulor. Der Kampanile ist 5,52 Meter lang, der Querbalken liegt auf 2,26 Meter Höhe.

Die beiden großen Glocken hingen schon in der alten Kapelle. Sie haben den Krieg überstanden, im Gegensatz zur kleinsten, die von der Gießerei Paccard in Annecy neu gegossen wurde. Sie trägt die Namen von Le Corbusiers Mutter und seiner Frau: Charlotte-Amélie-Yvonne-Marie.

Das Angelusläuten ist täglich um 9, 12 und 19 Uhr zu hören. Die Glocken werden mittels einer automatischen Steuerung in der Sakristei geläutet.

An wichtigen Festtagen läuten alle drei Glocken. Ihre Schlagtöne sind e¹, fis¹ und a¹.

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