Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert

Die ersten Spuren der Besiedlung dieses Hügels reichen bis in die Antike zurück. Die Römer hatten wahrscheinlich hier ein strategisch bedeutendes Lager am Übergang nach Germanien errichtet. Mit der Christianisierung im 4. Jahrhundert trat ein Marienheiligtum an die Stelle einer heidnischen Kultstätte. Im Verlauf des Mittelalters wird die Kirche „Unsere Liebe Frau des September“ (entsprechend dem Fest der Geburt der Mutter Gottes am 8. September) eine Pfarrkirche für Ronchamp und die Nachbargemeinden. Mit dem Bau einer neuen Kirche in der Ortsmitte aber im 18. Jahrhundert wird die Kirche auf dem Hügel zur Pilgerstätte und heißt von nun an Kirche „Notre-Dame du Haut „. Im Zuge der Revolution wird die Kapelle als Nationalbesitz verkauft 1799 kaufen sie etwa 40 Familien aus Ronchamp ab, damit sie wieder zur spirituellen Stätte wird. Seitdem ist die Kapelle Privateigentum und durch einen Vertrag mit der Diözese von Besançon verbunden, die ihr einen Kaplan zur Verfügung stellt.

Le Corbusier wirkt mit

Im 19. Jahrhundert ließ der Bischof von Besançon diesen Wallfahrtsort vergrößern und verschönern, doch 1913 zerstörte ein Brand große Teile davon. Nach dem Wiederaufbau 1920 wurde die Kapelle 1944 durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt (siehe Befreiung von Ronchamp). Eine Immobiliengemeinschaft, die aus den Nachkommen der Käufer der Kapelle besteht, wird gebildet. Sie wendet sich (dabei unterstützt sie der „ Aufschluss für Sakralkunst „von Besançon ‚CDAS : François Mathey , Inspektor der historischen Denkmäler und Pater Lucien Ledeur gehören dazu) )an Le Corbusier , den einzigen Architekten, der der modernen Sakralarchitektur einen neuen Impuls geben kann.

Im Frühjahr 1950 kam Le Corbusier –auf Drängen seines Freundes Maurice Jardot nach einigem inneren Widerstand auf den Hügel.. Die landschaftliche Umgebung und Geschichte dieses Ortes berührten den Architekten tief. Schließlich gelang es François Mathey und Lucien Ledeur ihn zur Mitwirkung beim Wiederaufbau zu gewinnen.

Am 4. April 1954 wurde der Grundstein für die neue Kapelle gelegt. Am 25. Juni 1955 erfolgte die Einweihung . Die Bauarbeiten waren von einer kleinen Gruppe von Maurern unter der Leitung des einheimischen Architekten André Maisonnier durchgeführt worden. „Ich wollte einen Ort der Stille, des Gebets , des Friedens und der inneren Erbauung schaffen“ bekannte Le Corbusier anlässlich der Einweihungsfeier

Ein Denkmal moderner Sakralarchitektur

Die Kapelle « Notre-Dame de Ronchamp » steht wie eine weiße Arche da, mit farbig verglasten Öffnungen. Die Dachkonstruktion aus rohem Beton gemahnt an die Form eines Krebspanzers. Mit den Materialien Beton, Stein, Holz, Gusseisen, Bronze, Email und Glas hat Le Corbusier ein erstaunlich leichtes lichtes Werk erschaffen.
Mit der Baukonstruktion und der Raumeinteilung sind die wichtigsten Elemente der Schöpfung verwirklicht und sozusagen zur Geltung gebracht : Materie und Licht.

Die Kapelle „Notre-Dame du Haut“ birgt auch noch eine farbig gefasste Marienstatue aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Bausteine von der ehemaligen Kirche wurden für die Betonmauern verwendet. Aber 16 Pfeiler aus Stahlbeton tragen das Dach. Als Zeugnis moderner Sakralarchitektur ist es also gleichermaßen auf Vergangenheit und Gegenwart bezogen.

Außer der Kapelle hat der Architekt noch zwei weitere Gebäude auf dem Hügel gebaut. , die den Weg säumen : Die „Pilgerunterkunft“ und das Kaplanhaus . Seitwärts am Hügel hat er außerdem die „Friedenspyramide“ errichtet, eine Gedächtnisstätte für die 1944 bei der Befreiung von Ronchamp gefallenen Soldaten.

Bei seinem letzten Besuch auf dem Hügel im Jahr 1959 sprach Le Corbusier folgende Worte : „Ich bedanke mich bei allen Besuchern, bei Euch allen, Euer Kommen ist meine Belohnung….“